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Tagebuch November 2003

So, 16. November 2003

Nach diesem Wochenende fühle ich mich so gut wie seit Monaten nicht mehr, sogar besser als nach dem Urlaub. Ich verbrachte endlich mal wieder zwei Tage zu Hause, konnte alles mögliche erledigen (einkaufen, putzen, Wäsche waschen und bügeln, Schuhe putzen, aufräumen), gut schlafen und essen, Springerle backen und viel lesen. Das Beste ist aber, dass ich meinen Einhorn-Roman zu Ende überarbeitet habe. Ein super Gefühl, zumal ich mich die letzten Monate furchtbar damit gequält habe, indem ich mir vornahm, jeden Tag wenigstens zwei Seiten zu überarbeiten. Das war gemein von mir, ich konnte wohl wirklich nicht. Da ich so gut wie jedes Wochenende fort fuhr, meist schon am Freitagnachmittag, hatte ich nur vier Abende die Woche, um meinen Kram zu erledigen, und dazu war ich noch richtig erschöpft. Am Montagmorgen saß ich müde im Büro und hoffte, mich bis Ende der Woche für die nächste Reise zu erholen. Das sind definitiv keine idealen Voraussetzungen, um einen Roman zu überarbeiten, auch wenn ich es schaffte, in den Mittagspausen an der Fortsetzung des Einhorn-Romans zu tippen. Aber das Schreiben war Entspannung, und Überarbeiten ist harte Arbeit. Jetzt suche ich Probeleser, was mir im Gegensatz zum Aschenputtel jetzt schwerer fällt. Die meisten meiner Freiwilligen vom Frühjahr sind ins Ausland geflohen oder verschollen. Wie dem auch sei: Dieses Jahr noch will ich die beiden Romane an diverse Verlage schicken. Adressen habe ich wirklich genug gesammelt. Dann wird es spannend.

Fr, 28. November 2003

Früher habe ich nie Interviews gelesen. Dabei kann man doch etwas daraus lernen.

So wie neulich das mit Iny und Elmar Lorentz , die "Die Kastratin" geschrieben haben. Sie arbeiten im Team. Er schreibt die Rohversion und sie überarbeitet sie. Logisch. Rohversion = kreative rechte Gehirnhälfte, überarbeiten = logisch-spachliche linke Gehirnhälfte. Da man das sowieso kaum in einem Arbeitsschritt hinbekommt, muss ich da eigentlich auch trennen, auch wenn ich nach wie vor versuche, druckreif zu schreiben. Klappt leider nicht. Mir ist heute, als ich den freien Freitag mit halbwachem Dösen begann und vor dem Fenster die ersten Schneeflocken dieses Winters segelten, die Erleuchtung gekommen. Wenn ich schreibe, halte ich mich nicht mit Beschreibungen und der Suche nach Synonymen auf. Das stört den Schreibfluss, und mein Ideal ist es, in Echtzeit zu schreiben. Ich hasse es, die selbe Szene immer und immer wieder abspielen zu lassen, weil ich jedes Mal mit dem Mitschreiben nicht nachkomme. Also tippe ich schnell und schlampig runter. Vier volle Din A4 Seiten pro Stunde (in Buchseiten eher 10). Beim Überarbeiten brauche ich leider nochmal so viel, und es macht gar keinen Spaß mehr. Aber es muss sein. Nehmen wir an, der Leser schafft diese 10 Buchseiten in 20 Minuten. Das ist drei Mal so schnell wie ich es geschrieben habe. Das heißt, dass ich zu jedem Satz zwei weitere hinzufügen müsste, damit für den Leser die Zeit im selben Tempo vergeht wie für mich beim Schreiben. Da ich viel zu ungeduldig bin, um die Handlung im Zeitlupentempo ablaufen zu lassen, während ich tippe, muss ich es wohl aufgeben, druckreife Erstversionen produzieren zu wollen. Einfach hintippen und nachher gründlich überarbeiten. Am besten an einem oder mehreren ruhigen Wochenenden ganz konzentriert und nicht jeden Tag zwei Seiten, was sich absolut nicht bewährt hat. So langsam wird das etwas mit meiner Arbeitsorganisation.

Mit der zweiten Folge meines Einhorn-Romans komme ich übrigens prima voran.
Beruflich bin ich ja gar nicht mehr richtig ausgelastet, seitdem ich kein aktives Projekt mehr habe. Wobei ich mir zur Zeit vorkomme wie eine Sekretärin. Ich erstelle nur dauernd Dokumente für Presales-Aktivitäten. Aber die Mittagspause gehört mir. Da tippe ich ein bis zu zwei Stunden an meinem Roman, und abends oft nochmal die selbe Zeit, bevor ich nach Hause gehe. Es ist ja so wichtig, die Erstversion in kurzer Zeit zu erstellen, damit sie konsistent bleibt und ich selbst den Faden der Geschichte nicht verliere.

So, 30. November 2003
Morgen vor der Arbeit bringe ich mal wieder die Aschenpuhlerin zur Post. Schuld hat das eklige Wetter am Freitag. Das war so... kurz gefasst. Am Freitagabend war ich ja in Stuttgart zu einer Veranstaltung darüber, wie frau FH-Professorin wird. Da ich den ganzen Tag Urlaub hatte und außerdem gerne shoppen gehe, wollte ich schon früher fahren. Allerdings war das Wetter ekelkaft, v.a. hier. Schneeregen und eisigkalt. Da hatte ich keine Lust mehr auf Einkaufen und beschloss, genau rechtzeitig zu fahren. Stattdessen wollte ich die gewonnene Zeit nützlich verbringen und recherchierte im Internet nach Literaturwettbewerben, für die Zeitschrift “Veilchen”. Dabei stolperte ich über den Brigitte-Roman-Wettbewerb. Zuerst habe ich mir fies lachend vorgestellt wie Hausfrauen am Küchentisch handgeschriebene Geschichten aus ihrem spannenden Alltag einreichen. Aber dann sah ich, dass der gewinnende Roman bei Random House gedruckt wird und man 10 000 Euro dafür bekommt. *sabbersabber* Mein Interesse war geweckt, meine Zeit allerdings knapp, so dass ich die Ausschreibung ausdruckte. Im Zug stellte ich fest: Einsendeschluss 1.12.! Ich rechnete mir aus, dass wenn ich am Sonntagabend zurück bin und das Dings ausdrucke, außerdem noch das Exposé auf die gewünschte Kürze stutze und am Montagmorgen den Umschlag eigenhändig zur Post bringe, dann klappt das noch. Es gilt nämlich das Datum des Poststempels. Juhu! Gedacht, getan. Der Drucker musste mich natürlich erschrecken, indem er wild mit allen Leuchten blinkte, aber er hat die gewünschten 50 Seiten ausgedruckt, uff!

Übrigens habe ich ausgerechnet, dass ich bei 10.000 € Honorar auf einen Stundenlohn von circa 50 € komme. Das ist ganz ordentlich, davon könnte man leben. Wenn einem nur alles abgekauft würde, was man produziert.

Di, 16. Dezember 2003

Nachdem ich mindestens ein Dutzend erste Kapitel und Handlungszusammenfassungen für genauso viele Versionen meines Romans über meine Erfahrungen in der IT-Branche geschrieben habe, wollte ich den Weihnachtsurlaub dazu nutzen, endlich mal RICHTIG anzufangen und den Roman ernsthaft anzugehen. Gerade im Urlaub wird mir stets klar, was mir dieser Job antut, und die Rachegelüste werden besonders groß. Rache am System, wohlgemerkt. Meine Widersacher sind auch nur dessen Opfer. Bei konkretem Überlegen wurde mir klar, dass ich mir am besten aus dem Buch "20 Masterplots" den heraussuche, der mir am treffendsten erlaubt, das auszudrücken, was ich möchte. Ich blätterte also das Buch durch. Es fielen aber nur wenige Plots heraus, die nicht passen. Übrig blieben 15 von 20. Sowohl die Suche als auch die Rache als auch Rivalität, Metamorphose oder Grenzerfahrung würden passen. Das macht deutlich: Sobald ich weiß, welchen dieser Plots ich nehmen will, dann ergibt sich der Rest wohl von selbst. Ich habe ja bisher überhaupt kein Konzept!


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