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Tagebuch März 2003

Mo, 10. März 2003
Es ist vollbracht! Eben habe ich den Epilog zum Einhorn-Märchen getippt. Ich fühle mich lebendig! Nachdem der Stress bei der Arbeit nachgelassen hatte, krümelte nach und nach von meinem Herzen eine dicke Steinschicht. Dass es mir besser ging, erkannte ich daran, dass ich wieder Ideen hatte. Täglich schrieb ich ein paar Seiten für den Roman, und nun bin ich fertig.

So muss Leben sein!

 

... monatelang kein Eintrag, keine Zeile Text, Tod der Kreativität. Mein Job brachte mich  fast um. Ende Juli war das Projekt dann zu Ende...

Do, 21. August 2003

In letzter Zeit springt der Tod um mich herum und schneidet mir Gesichter.
Am Wochenende konnte ich z.B. nicht schreiben. Da ging es mir hundsübel, und ich schlief zwei Tage lang nur. Ich hatte Herz-Kreislauf-Probleme und dachte, ich sterbe demnächst.  Vorletztes Wochenende habe ich einen tiefen Schluck Apfelsaft mit Wespe genommen. Noch bevor das Tier kapierte, was passiert, hatte ich sie wieder ausgespuckt. Die Wespe guckte sehr verdutzt und ich auch. Und vorigen Dienstag wären auf einer Dienstreise beinahe mein Kollegen und ich von der Landstraße gedrängt worden. Wir waren am Überholen, und der vor bzw. inzwischen neben uns wollte das auch. Er sah sich überhaupt nicht um und merkte gar nichts, während mein Kollege eine Vollbremsung vollzog und versuchte, sich zwischen einem Crash mit dem anderen Auto oder mit einem Baum am Straßenrand zu entscheiden. Zum Glück hatte der Mercedes gute Bremsen. Auf dem Rückweg konnten wir unsere Bremsspur bewundern. Eine Freundin von mir ist übrigens so ähnlich umgekommen. Das war jetzt nicht das erste Mal, dass ich so eine lebensgefährliche Situation erlebe, aber zur Zeit ist es mir etwas zu häufig! Ein Zeichen Gottes? Eigentlich wäre sowas ein Anlass, endlich den blöden Job hinzuwerfen und Vollzeit-Schriftstellerin zu werden.

Mo, 01. September 2003

Heute Abend stellte ich beim Überarbeiten des “Einhorns” mal wieder fest, dass Kreativität und Logik in zwei verschiedenen Gehirnhälften stattfinden. Der Roman beginnt mit zwei Hochzeiten und einem Todesfall. Bisher kam der Todesfall zuerst. Das gehört sich aber so nicht! Würden die beiden Söhne der Witwe nach ihrem Tod noch so fröhlich feiern wollen? Besonders pikant wird die Geschichte dadurch, dass beide jeweils eine Erbin heiraten. Noch pikanter wird aber das Ganze, wenn die alte Dame bei beiden Hochzeiten dabei ist und ihre Söhne finanziell versorgt wähnt, so dass sie keine Bedenken mehr hat, ihr Hab und Gut der Kirche zu vermachen. Ich bin ja nur gespannt, wie viele Klöpse ich noch eingebaut habe.

 

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