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Tagebuch Mai 2004


28. Mai 2004
Wäre der Frühling nicht gekommen, wäre ich für die Literatur verloren gewesen. Wie das?
Jede hässliche Szene mit meinem Chef zerschmettert mich wie ein Unfall mit einem LkW. Ich stehe unter Schock, die Gefühle sind gelähmt, wie ein Roboter tue ich meine Pflicht. Glück und Hoffnung finde ich nur im Vergessen, aber auf Dauer bin ich dafür nicht kurzsichtig genug.
Als der Frühling sich mir aufdrängte mit blendendem Licht, entspannender Wärme und den Düften meiner Kindheit, fiel mir auf, dass ich ihn zum ersten Mal nicht als alten Freund willkommen hieß. Der Winter hatte zu gut zu meiner niedergeschlagenen und hoffnungslosen Stimmung gepasst, um ihn einfach loslassen zu können. Doch nun ist mein Chef für mehrere Wochen im Urlaub und ich wage vorsichtig Frühlingsstimmung. Ich schreibe wieder!
Der Literaturwettbewerb des "Veilchens" hat mich dazu doppelt angetrieben. Gute Texte machten
mir Lust und schlechte zeigten mir, dass ich so übel nicht schreibe. Heute habe ich endlich wieder an einem Wettbewerb teilgenommen. Allerdings auf Englisch. Allerdings verwendete ich Wörter, die ich zuvor nicht kannte. Aber die Teilnahme kostet nichts, und das Foto, zu dem man schreiben sollte, gefiel mir gut. Die Geschichte wurde düsterer als beabsichtigt. Aber die nächste Geschichte handelt von der Hoffnung, bestimmt!

28.08.2004
Beinahe hätte ich geweint, nachdem wir meine geliebte Dachwohnung
leer geräumt hatten. Hier sind zwei Romane entstanden. Der
Trennungsschmerz überwiegt die Freude darüber, woanders neu
anfangen zu können.

13.09.2004
Nachdem ich die letzten beiden Wochen süchtig war nach den beiden Romanen, die ich las, erfüllt mich nach ihrem Ende eine wohltuende Leere. Jetzt erst ist da Raum für meine eigene Geschichte, und ich will auch bis zu ihrem Ende nur noch Fachbücher lesen.

18.11.2004
Geht es mir schlecht, kann ich nicht schreiben, weil meine Gefühle und Gedanken in Ketten liegen.
Geht es mir zu gut, flattern mein Geist und mein Körper fröhlich draußen im Leben umher, das dann viel farbiger lockt als erdachte Welten. Irgendwo zwischen Auf und Ab treibe ich immer wieder an der idealen Schreibstimmung vorbei.

05.12.2004
Früher gab ich das Fernsehen auf, weil es meine Zeit fraß. So schuf ich Muße für das Schreiben Heute überflutet mich das Internet. Am liebsten würde ich die Verbindung kappen, doch zu viel Wichtiges hängt schon davon ab. Neulich stellte ich beim Aufräumen fest, dass ich pro Jahr 1000 Emails versende.

07.12.2004
Was ist der Sinn von Zeitmanagement? Die täglichen Pflichten schneller zu Ende zu bringen, dass der Rest des Tages frei bleibt oder in die vorhandenen 24 Stunden so viel Arbeit wie möglich zu stopfen? Leider gewöhnt man sich daran, immer mehr zu schaffen.
Zum Schreiben fehlt mir einfach die Zeit, an Ideen mangelt es nicht. Was möglich ist, wenn ich mich mal in Ruhe hinsetze, zeigte sich vorigen Montag in der Literaturgruppe. Ich sprudelte zwei Kurzgeschichten und einen Romananfang heraus.

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