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Tagebuch Januar 2005


08.01.2005
Die letzten drei Wochen brachten jeweils einen Feiertag. Das war genau das, was mir zum Schreiben gefehlt hatte! Jetzt klappt das. Heute habe ich den ganzen Tag zu Karl dem Großen recherchiert. An Silvester habe ich die Januar-Ausgabe des Veilchens erstellt.

15.03.2005
Weniger ist mehr. Ich löse mich jetzt von einem Ehrenamt, das mich 10 bis 20 Stunden die Woche gekostet hat und jede Menge Energie. Zwar war es faszinierend zu sehen, wie viel man schaffen kann, wenn man schlampig arbeitet. Doch diese Hast vertrug sich schlecht mit dem Schreiben. Es gelang mir nicht, mich inmitten von stapelweise Unerledigtem und dringenden Anfragen auf die Insel “Schreiben” zurück zu ziehen. Das ganze Leben muss wohl auf das Schreiben ausgerichtet sein.

19.05.2005
“Es kamen drei Damen im Abendrot” (The Innkeeper´s Song) von Peter S. Beagle war eine Offenbarung. Diese Geschichte weckte nicht nur verschüttete Bilder und Kreativität, sondern es sagte mir auch, dass ich mich die letzten Jahre viel zu sehr von erbsenzählerischen Germanisten habe irritieren lassen, die stromlinienförmige, austauschbare, kraft- und gefühllose, kopflastige, dafür aber orthographisch und grammatikalisch absolut korrekte Texte verlangen. Vermutlich weil es ihrem eigenen kleinkarierten Umgang mit Literatur entspricht. Sie wollen sich nicht in die Perspektive oder Sprache eines anderen menschlichen oder auch nicht-menschlichen Wesens hinein versetzen. Die drei Damen schlagen solche Leser mitten ins Gesicht. Jedes Kapitel erzählt eine andere Figur in der ersten Person, jeweils mit charakteristischem Denkstil, Grammatik und Wortschatz. Sie verstoßen gegen jede Regel, deren Sinn ich noch nie eingesehen habe, abgesehen vom Argument der Marktkonformanz. Was in und um das Wirtshaus geschieht, lässt sich nicht leicht lesen. Mich kitzelte die Leseherausforderung jedoch. Auch beim Schreiben habe ich einige Fesseln gesprengt und Neues ausprobiert. Daraus entstand unter anderem eine Kurzgeschichte “Verwunschen”, die in der Literaturgruppe die Leser/innen genauso spaltete wie Peter Beagle´s Buch die Leute im Fantasy-Forum.

Einige Monate später las ich “Homana´s Song” von Jennifer Roberson und seither verfolgt mich der Verdacht, das eine Buch parodiere das andere oder umgekehrt.

2005 war trotz dieser viel versprechenden Anfänge ein schlechtes Jahr zum Schreiben. Jedenfalls für die Fiktion. Ich tat mich eher im Bereich der wissenschaftlichen Publikationen hervor. Hoffentlich verderben sie nicht meinen Stil! Irgendwann schreibe ich sonst nur noch im majestätischen Plural, substantivisch im konjunktiven Passiv und mit penetranten Wortwiederholungen.

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