| Mi, 09. Dezember 2002 Heute Abend habe ich einen neuen Trick gefunden, wie ich mich selbst zum Schreiben bringe. Voriges Wochenende verbrachte ich viel Zeit im Zug. Da fiel mir auch eine neue Szene für den Einhorn-Roman ein. Besonders gut war es nicht, was ich im Zug zu Papier brachte. Ich kann mich
unterwegs einfach nicht richtig konzentrieren; das geht nur zu Hause. Aber trotzdem setzte ich mich heute Abend hin, um diese paar Zeilen einzutippen. Sofort kamen mir bessere Ideen, und ich schrieb gleich eine ganze Stunde. Das klappt bei mir im Alltag sonst nie. Das muss ich mir merken! Di 10.12.2002 Ich muss mir wohl “Total verhext” von Terry Pratchett besorgen. Eine Mailfreundin gab mir den Tipp, dass dieses so ähnlich wie mein Aschenputtel-Roman sei. So ein
Nachmacher! Jetzt will ich das Ding unbedingt kaufen und lesen. Ich hoffe, es ist meinem doch nicht ähnlich. Mo, 16. Dezember 2002 Meine ersten Probeleser schicken ihr Feedback zum Aschenputtel-Roman. Das ist praktisch, dann kann ich ihn über Weihnachten überarbeiten. Interessant finde ich die Bemerkung, dass der Roman vorne klinge wie zusammengestückelt und nach hinten hin flüssiger würde. Wenn ich daran denke, wie er entstand: Für den Anfang brauchte ich Monate,
da schrieb ich mal hier eine halbe Stunde und mal dort, und das machte auch nicht so viel Spaß. Bei dem Schluss habe ich mich mehr zusammen gerissen. Es kann aber auch sein, dass sie nicht damit klar kommen, dass meine Heldin anfangs wie ein Elefant im Porzellanladen herumstolpert. Erst mit der Zeit findeet sie in die Märchenwelt hinein und spielt das Spiel mit, dem sie ohnehin nicht entkommen kann. Mi, 18. Dezember 2002
Homepage? Ich brüte doch dauernd irgend welche Projekte aus... In dem Bücherforum sind auch ein paar andere Schreiberinnen, entweder solche wie ich, die noch nie publiziert haben oder auch solche, die inzwischen einen Verleger gefunden haben. Das ist sehr interessant für mich. Eine davon hat auch eine nette Homepage. Jetzt habe ich mich gefragt, ob nicht eine Homepage eine nette Möglichkeit wäre, mich als Autorin zu präsentieren. So langsam wird es bei mir ja immer ernster, je
mehr Seiten ich produziere. Manchen Leuten macht es sicher Spaß, mitzuerleben, wie jemand sich zur Autorin mausert. Ich könnte z.B. mein Schreibtagebuch veröffentlichen und berichten, wie der Stand mit den Einsendungen zu den Verlagen aussieht. Was ich nicht richtig will, wäre ein weiteres Forum zu eröffnen. Das macht jeder, und ich finde so leere Foren ganz peinlich. Ich würde dann eher zu meinem Lieblings-Bücher-Forum verlinken. *grübelgrübel* Ich glaube, das wäre ein lustiges Projekt
für die Weihnachtsfeiertage. 30. Dezember 2002 Einen ersten Entwurf für meine Webseite habe ich schon auf Papier gemacht, jedenfalls das Hauptmenü. Es wird darauf nur um´s Schreiben gehen, nicht etwa um meinen Lieblingsteddybär, Fotos von Geburtstagsfeiern oder überhaupt irgend welche Fotos. 02. Januar 2003 An den Feiertagen bin ich prima voran gekommen mit meinem Einhorn-Roman. Ich bin schon bei Seite 100. Somit war ich in einer Woche Weihnachten
produktiver als in drei Wochen Urlaub im November. Es fließt jetzt besser, weil ich die Personen und die Geschichte besser kenne und nach hinten hin sowieso immer klarer wird, wohin ich steuern will. Jetzt hat mich aber der Alltag wieder. Es kann nicht sein, dass ich immer nur im Urlaub schreibe. So komme ich viel zu langsam voran. Ich muss irgendwie das Schreiben in meinen Alltag integrieren. Morgens früher aufstehen oder abends eine Stunde vor dem Schlafengehen ausklinken. Oder wieder
mehr Wochenenden alleine zu Hause verbringen. Mo, 06. Januar 2003 Heute habe ich das dritte Buch von Jude Deveraux zu Ende gelesen und wollte es am liebsten ins Eck peffern. Drei Romane sind meist das Maximum, das ich von der selben Autorin lesen kann, denn dann ist ihr Schema schal geworden. Und meistens mag ich das Schema nicht einmal. Diese Erkenntnis ist sehr interessant für meine Recherchen zu Liebesromanen. Nachdem ich einige kenne, ist es interessant, mein
eigenes Schema zu analysieren und auch mich zu fragen, ob ich es beibehalten will. Mi, 08. Januar 2003 Mein Job frustriert mich, und je mehr er mich frustriert, umso mehr frage ich mich, ob ich nicht die Firma sondern die Branche wechseln sollte. Das Schreiben könnte mich aus diesem mühsamen Dasein erlösen. Das müsste Motivation genug sein. Trotzdem habe ich es noch immer nicht geschafft, das Schreiben in meinen Alltag zu integrieren.
Do, 09. Januar 2003 Gestern Abend hatten wir in der Schreibgruppe eine interessante Diskussion über mein “Einhorn”. Die anderen fragten, wie ich denn auf so eine Geschichte käme und warum ich sie ausgerechnet ins Mittelalter versetze. Sie könne doch genauso gut heute spielen. Könnte sie, aber dann müsste ich sie ja völlig umschreiben, und es wäre nicht mehr die selbe, wenn Marbod kein Ritter sondern z.B. ein Motorradrocker oder ein Topmanager wäre! Offensichtlich fühlen sie sich sowohl in
Märchen als auch im Mittelalter fremd. Es wurde dann auch klar, dass wir völlig unterschiedlich schreiben. Ich erzähle gerne Geschichten aus einer anderen Welt, während die anderen übereinstimmten, dass die Hauptperson ihrer Geschichten immer sie selbst seien. Sie könnten sich nicht vorstellen, sich in einen Menschen hineinzufühlen, der zu ihnen völlig konträr ist. In meiner alten Literaturgruppe war das anders: Da erzählten sie auch über Menschen, die sie irgendwann getroffen hatten oder
auch mal hätten treffen können, über Personen, von denen die Zeitung berichtete, oder ließen einfach ihrer Phantasie freien Lauf, v.a. in den Krimis. Stimmt, Krimiautoren haben wir auch keine hier. Die Literaturgruppe hier in Ravensburg scheint also eher von Menschen bevölkert zu sein, die therapeutisch schreiben, d.h. ihre eigenen Erfahrungen verarbeiten. Was mich mal wieder erschreckt: Wenn schon Menschen, die selbst schreiben, sich nicht vorstellen können, dass ein literarisches
Produkt etwas anderes ist als die Aufarbeitung eigener Erlebnisse und Gefühle, wie sollen das erst unbedarfte Leser/innen können? Daher also diese ewig wiederkehrende Frage: “Hast du das wirklich so erlebt?” Mir selbst erscheint eine solche Frage völlig unsinnig, seitdem ich festgestellt habe, dass ich es noch nie fertig gebracht habe, eine wahre Geschichte niederzuschreiben, wie ich es erlebt hatte. Dafür ist das Tagebuch da, und das ist furchtbar unliterarisch. Beim Verarbeiten in
eine Kurzgeschichte fällt mir immer ein, wie die Geschichte noch besser wird, wie sie noch deutlicher die Message vermittelt, ich erfinde dazu, was nicht so war aber so hätte sein sollen, übertreibe hier und verschweige da, und so wird aus dem wirren Erlebnis ein rundes Produkt. Ich KANN einfach keine wahren Geschichten erzählen. Wie auch immer: Mich packt die kalte Panik bei dem Gedanken daran, dass andere Menschen meine Handlungen für autobiographisch halten und anhand der Gedanken
meiner Hauptpersonen Rückschlüsse auf meinen Charakter ziehen könnten!!! Sind doch meine Personen oft Karikaturen, v.a. Diane aus der Aschenpuhlerin, die so schön krampfhaft versucht, ihrem eigenen Klischeebild der knallharten Beraterin zu entsprechen. Das würde ich nie tun, aber ich fand es lustig, aus der Sicht eines solchen Menschen zu erzählen. Ach ja, und die Perspektive! Ich schreibe so gerne in der ersten Person, ohne mich deswegen besonders mit diesem Menschen zu identifizieren. Aber
das begreifen nur wenige. Sie glauben, ich glaubte, ich sei sie. Bin ich nicht! Ich will nur, dass SIE wissen, was diese Person sieht und denkt, weil ich so gerne subjektiv schreibe und sowohl Held/in als auch Leser/in aufs Glatteis führe. Die “Aschenpuhlerin” wäre nicht halb so spannend, wenn man immer genau wüsste, was die anderen zur selben Zeit tun und wo Diane irrt. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr fühle ich in mir einen Widerwillen, später mein Tagebuch oder meine
Memoiren zu veröffentlichen. Weil man doch nie so viel über sich selbst erzählen kann, dass die anderen einen richtig verstehen. Umso mehr fühle ich eine Panik in mir, dass man erfundene Geschichten verwenden könnte, um mich zu durchleuchten. Dabei wird dann die übliche Küchenpsychologie verwendet, laut der ich niemals hätte Englisch lernen können oder einen Roman schreiben, weil ich ja so gute Noten in Mathematik hatte. Fr, 10. Januar 2003 Juhu, ich habe den Zettel
wiedergefunden, auf dem ich den Entwurf für die Webseite gestaltet hatte. Mi, 15. Januar 2003 Wenn ich ehrlich bin: Ich schreibe nie, was ich gerne erleben würde. Keine meiner Geschichten gibt einen Traum wider. Es sind eher Alpträume. Es geht darum, eine Idee bis zum Ende durchzudenken, und meine Heldin Anfechtungen und Probleme überstehen und lösen zu lassen. Und was ist mit positiven Träumen? Und wie sollen in meinem Leben Träume wahr werden, wenn sie es nicht
einmal in meinen Büchern tun? Fr, 17. Januar 2003 Spiel, Spaß, Spannung, das finde ich zur Zeit bei Ebay. Ich brauche offensichtlich etwas, wo ich fünf Minuten lang hin flüchten kann, während der Arbeit. Da ich nicht rauche und keine Lust habe, dauernd aufs Clo zu rennen, surfe ich lieber zu Ebay. Es ist sehr spannend, welche meiner Bücher gekauft werden, und ich freue mich schon darauf, den Flohmarktkoffer leer zu bekommen, ohne dafür wieder einen ganzen Tag im Regen
zu stehen. Zur Zeit bin ich ganz wild auf Lesen, finde aber, dass ich zu viel schwere Literatur zu Hause habe, auf die ich abends nicht unbedingt Lust habe. Gestern habe ich eine weitere von diesen Erzählungen gelesen, und sie war widerlich. Es ging um ein Filmteam, das im Regen dreht, mit einem toten Schäferhund, den sie eingefroren hatten, bis die Diva eingeflogen kam. Mo, 20. Januar 2003 Heute habe ich im Bücherforum wieder etwas Neues gelernt: Fortsetzungsromane
sind sehr beliebt, v.a. auch bei den Leserinnen. Für eine Schriftstellerin müsste es eigentlich auch angenehm sein. Man kennt die Personen und die Umgebung schon, und wenn ein Roman zu Ende geschrieben ist, will man sich ja nicht schon wieder von den liebgewonnenen Menschen trennen! Do, 23. Januar 2003 Fatal, fatal! Ich habe eben etwas Neues bei Ebay entdeckt: Da kann man ganze Bücherpakete kaufen! Das wird dann viel billiger, auch die Versandkosten pro Stück.
*kalkulier* Ich konnte es mir nicht verkneifen, auf ein Bücherpaket mit 13 Stück zu bieten. zurück |