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Tagebuch 2006


09.09.2006
2006 war bisher auch kein gutes Jahr zum Schreiben: noch mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen und vor allem zwei Vorlesungen. Die fressen meine Abende, Wochenenden und den Urlaub noch dazu. Wobei das Problem nicht darin besteht, hier und da eine Stunde für das Schreiben frei zu machen, sondern eher den Kopf für eine Stunde frei zu machen. Phasenweise schreibe ich täglich eine halbe Stunde während der Mittagspause. Bei einem Roman muss das sein, damit der Erzählfaden nicht abreißt. So wie vorigen Oktober. Ich war mit einem Roman schon fast am Ende, dann kam im Oktober die Schreibblockade. Diese war berechtigt, denn ich rang mit mir, welches Ende die Geschichte nehmen soll. Nun stand die schwere Entscheidung an, was ich denn aussagen will. Und während ich grübelte, riss der Faden. Inzwischen bin ich aber bis zum Ende durchgekommen. Fehlt “nur noch” die Überarbeitung. Bei einem weiteren Roman bin ich ebenfalls schon recht weit.

Zwei Dinge sind mir klar geworden: Erstens ist ein Schriftsteller wirklich jemand, der nicht anders kann als zu schreiben. Ich weiß nicht mehr, von wem dieser Ausspruch stammt. Mit Staunen hörte ich aber in einem Kurs von Teilnehmern, die zwar brav Übungen durchexerzieren, um das Schreiben zu lernen, denen aber Ideen fehlen, worüber sie schreiben könnten. Da fehlt völlig er Drang zum Erzählen. Wozu wollen sie es dann erlernen? Zweitens darf man beim Tanzen nicht auf die Füße gucken. Das tat ich nämlich vorigen Oktober, als ich mich fragte, wie es mir gelungen sei, in einem Jahr einen Roman zu schreiben, obwohl ich gar keine Zeit dafür hatte. Mir war als sei er plötzlich da gewesen. Ab diesem Moment stolperte ich über meine eigenen Füße, und es ging monatelang nichts mehr voran. Jetzt bin ich aber wieder im Takt: cha-cha-cha.

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